Sunday 15. December 2019
2005
COMECE Press 04.04.2005

 

Ein Papst mit Visionen - Brückenbauer für das neue Europa

 

Im Namen der Bischöfe der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (COMECE) veröffentlicht das Exekutivkomitee der COMECE die folgende Erklärung zum Tode von Seiner Heiligkeit Papst Johannes Paul II. am 2. April 2005 im Vatikan.

 

“Der Tod Seiner Heiligkeit Johannes Paul II. markiert das Ende eines historischen Pontifikats. Die Erinnerung an diesen energischen, mutigen und visionären Pontifex, der Leiden und Schwäche mit Würde ertrug, ist eine Inspiration für Millionen von Gläubigen und Nicht-Gläubigen in der ganzen Welt.

 

Der Präsident der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft, die Mitglieder und das Sekretariat dieser Kommission bringen im Gedenken an Papst Johannes Paul II. ihre größte Anerkennung zum Ausdruck. Sie beten, dass er Christus, dem er während seines Lebens mit unverbrüchlichem Mut gedient hat, nun als seinen Herrn und Retter von Angesicht zu Angesicht sehen wird.

 

Als Diener der Diener Gottes war Papst Johannes Paul II ein Papst mit universellen Visionen in seiner Lehre und in seinem pastoralen Werk. Er war ein Papst für die Welt der Globalisierung; er verkündete die universelle Botschaft Christi als Quelle der Hoffnung für die Menschheit. Seine Vision der menschlichen Würde – fest verwurzelt in der Person Jesu Christi, durch den Gott gelebt, gelitten, gestorben und von den Toten auferstanden ist – war unauflöslich mit dem Gemeinwohl der ganzen Menschheit verbunden. Im Einklang mit seiner Vision suchte er überall, zwischen den Menschen Brücken zu bauen. Er nahm besondere Anstrengungen auf sich, um das ökumenische Verständnis zwischen den christlichen Konfessionen zu vertiefen und die interreligiösen Beziehungen zu fördern und zu stärken.

 

Europa ist Papst Johannes Paul II. aufgrund seiner Visionen und seines Elans zu großem Dank verpflichtet. Als Sohn Polens erfuhr er die Schrecken des Krieges und die folgenden schmerzlichen Teilung Europas. Von Anfang an stand sein Pontifikat stand unter dem Einfluss seines Einsatzes für die Befreiung von den Fesseln der Unterdrückung. Er entwickelte die Vorstellung eines Europas, dessen Teilung durch den Kalten Krieg überwunden werden sollte. In voller Anerkennung der Bedeutung des Europäischen Integrationsprozesses brachte er häufig den Wunsch zum Ausdruck, dass diese freie Organisation solidarischer Völker und Nationen, wie sie in der Europäischen Union erreicht worden ist, eines Tages die Länder Mittel- und Osteuropas umfassen würde, damit Europa „die ihm durch die Geographie und mehr noch durch die Geschichte gegebene Dimension“ erhalten kann (Rede vor dem Europäischen Parlament am 11. Oktober 1989,.

 

Angesichts der Herausforderungen, denen sich Europa nach der friedlichen Revolution von 1989 stellen musste, war Papst Johannes Paul II davon überzeugt, dass die Kirche eine wichtige Rolle zu spielen habe, um das neue Verhältnis und die Aussöhnung zwischen Ost und West zu fördern. Er berief daher im Jahre 1991 die erste außerordentliche Versammlung der Synode der Bischöfe für Europa ein. Sie verlieh dem Erfahrungsaustausch und dem gegenseitigen Verständnis zwischen den Ortskirchen in Ost- und Westeuropa neuen Schwung.

 

Seine Vision von Europa war die eines Kontinents mit zwei Lungenflügeln, Ost und West, die im Einklang miteinander atmen – „nicht nur in religiöser, sondern auch in kultureller und politischer Hinsicht“ (Rede vor der COMECE-Vollversammlung im Vatikan am 30. März 2001). Er wurde niemals müde, uns daran zu erinnern, dass die Ausübung der Freiheit im neuen Europa nur dann zur Befreiung führen wird, wenn sie mit der Ausübung von Verantwortung für die Rechte der anderen und für das weltweite Gemeinwohl der Gesellschaft verbunden ist.

 

Für Papst Johannes Paul II. ist der Humus der christlichen Zivilisation die Quelle der Wertentscheidungen über die Organisation des gesellschaftlichen Lebens, der menschlichen Würde, der Menschenrechte, von Gerechtigkeit und Frieden sowie der Rechtsstaatlichkeit. Wiederholt hat er die Europäer ermutigt anzuerkennen, „dass das Christentum dem europäischen Kontinent einen entscheidenden Beitrag der Erneuerung und der Hoffnung zu bieten hat, indem es mit neuem Schwung die stets aktuelle Botschaft Christi, dem alleinigen Erlöser der Menschheit, verkündet“ (Rede vor der COMECE-Vollversammlung im Vatikan am 30. März 2001).

 

Sein Aufruf an Europa und die Europäer in seiner denkwürdigen Rede von Santiago de Compostela im November 1982, “Kehre du selbst um! Sei du selbst! Entdecke wieder deine Ursprünge. Belebe deine Wurzeln! … Stelle deine spirituelle Einheit in einem Klima des umfassenden Respekts für andere Religionen und für genuine Freiheit wieder her!“ blieb eine zentrale Sorge seiner mehr als 1000 Reden und Ansprachen zu europäischen Fragen. Er forderte die europäischen Politiker dazu auf, ausgehend von der Religionsfreiheit die Menschenrechte von Individuen, Minderheiten und Völkern zu schützen. Er erklärte, dass der Sorge um das menschliche Leben von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod die größte Aufmerksamkeit geschenkt werden soll, wie auch der auf der Ehe gegründeten Familie (Ecclesia in Europa Nr.115).

 

Nach der Überzeugung von Papst Johannes Paul II „ist Europa vor allem aufgerufen, seine wahre Identität wiederzuerlangen“ (Ecclesia in Europa No. 109). Während er die Erweiterung der Europäischen Union begrüsste, bestand er darauf, dass „der Integrationsprozess vor allem in einer Übereinstimmung der Werte bestehen muss, die im Recht und im Leben ihren Ausdruck finden.“ (Ecclesia in Europa Nr.110).

 

Angesichts der Herausforderungen, denen sich die europäische Gesellschaft und die Kirche in Europa zu Beginn des neuen Jahrtausends stellen müssen, berief er die zweite Sonderversammlung der Bischofssynode ein. Das Apostolische Schreiben Ecclesia in Europa, das auf die zweite Synode folgte und von Papst Johannes Paul II am 28. Juni 2003 unterzeichnet wurde, bezeugt Jesus Christus als die wahre und letzte Hoffnung für Europa. Indem er den Ausdruck “Kirche in Europa” zum ersten Mal als Subjekt und Akteur gebrauchte (Ecclesia in Europa Nr.45, 65, 69, 105), forderte der Heilige Vater die Ortskirchen und die Christen dazu auf, kontinental zu denken und zu handeln, die Grenzen zu überschreiten und nach neuen Horizonten der Gemeinschaft zu streben. Seine unermüdliche Anstrengung für die Wiederherstellung eines Europas, das auf Solidarität gebaut ist, wird ein lebendiges Vermächtnis seines Pontifikates sein.

 

Sein Pontifikat war durch seine Bereitschaft gekennzeichnet und gestärkt, dem Willen Gottes bis zum letzten zu folgen. Seine umsichtige und väterliche Führung der Kirche durch ein ereignisreiches und historisches Vierteljahrhundert hindurch und in das neue dritte Jahrtausend hinein ist zu ihrem Ende gekommen. Sein Tod hinterlässt nicht nur die Kirche, sondern auch die Welt in Trauer um eine große, moralische Führungspersönlichkeit.

 

Seine Ermutigung für die jungen Menschen und sein Mitgefühl mit den Alten, Kranken und Leidenden bezeugten seine Fähigkeit, auf einer sehr persönlichen Ebene zu vielen Menschen Zugang zu finden. Demütig folgte er Jesu Vorbild und war für die Welt ein lebendiges Beispiel für die in der zeitgenössischen Gesellschaft wahrhaftig und ehrfürchtig gelebte Botschaft des Evangeliums.

 

Die Tage der Trauer werden durch die Gebete für einen Menschen geprägt sein, der im Führen diente, wie er im Dienen führte. Er möge ruhen in Frieden.”

 

(Übersetzung aus dem Englischen)

 

Bischof em. Josef Homeyer von Hildesheim, Präsident der COMECE

Bischof Adrianus van Luyn von Rotterdam, Vizepräsident der COMECE

Erzbischof Hippolyte Simon von Clermont, Vizepräsident der COMECE

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