Monday 18. November 2019
2006
COMECE Press 25/07/2006

 

Rückschlag für den Embryonenschutz:

Die Europäische Union vor einer großen bioethischen Herausforderung

 

Das Sekretariat der COMECE hat mit großer Aufmerksamkeit die Entstehung des 7. Forschungsrahmenprogramms der Europäischen Union für den Zeitraum 2007-2013 verfolgt und bringt sein tiefes Bedauern über die Entscheidung des europäischen Ministerrats vom 24. Juli 2006 zum Ausdruck.

 

Die katholische Kirche ist sich der Bedeutung bewusst, die in der Europäischen Union der Förderung einer Wirtschaft zukommt, die auf Wissen, Forschung und Innovation aufbaut. In diesem Sinne ist das 7. Forschungsrahmenprogramm ein wesentliches Instrument zur Förderung von Forschung Innovation auf der Ebene der Europäischen Union. Während ihrer Vollversammlung im November 2005 haben die Bischöfe der COMECE hervorgehoben: „Wissenschaft und Forschung leisten einen erheblichen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität, insbesondere im Bereich der Gesundheit, wo neue therapeutische Möglichkeiten verfügbar werden. Auch stellen sie einen wichtigen Faktor für die wirtschaftliche Entwicklung dar.“

 

In seiner letzten Fassung sieht das 7. Forschungsrahmenprogramme (wie bereits das vorherige Programm) weiterhin vor, die Forschung mit embryonalen Stammzellen zu fördern – mit der Unterstützung des Europäischen Parlaments und trotz der Opposition einiger Mitgliedstaaten, die jedoch bei der Entscheidung des Ministerrats am Montag, dem 24. Juli keinen weitergehenden Schutz der Menschenwürde erreichen konnten. Die Kommission ergänzte die Einigung im Ministerrat um eine 12 Punkte umfassende Zusatzerklärung, die insbesondere vorsieht, dass unter dem 7. Forschungsrahmenprogramm die Zerstörung von Embryonen nicht finanziert wird, aber die Forschung mit embryonalen Stammzellen auf der nachfolgenden Ebene gefördert werden kann.

 

Die Erklärung stellt ein trügerisches Zeichen dar, weil die europäische Finanzierung der Forschung mit embryonalen Stammzellen das Risiko birgt, die vorherige Etappe der Zerstörung menschlicher Embryonen auf der mitgliedstaatlichen Ebene anzuregen. Deshalb wendet sich das Sekretariat der COMECE erneut gegen die Finanzierung von Forschung, die direkt oder indirekt die Zerstörung von menschlichen Embryonen beinhaltet. Der Exekutivausschusses der COMECE hat am 31. Mai 2006 darauf hingewiesen: „Den menschlichen Embryo als Forschungsobjekt zu behandeln ist nicht vereinbar mit der Menschenwürde.“ Es ist daher angesichts der Umstände der Debatte im Ministerrat zu bedauern, dass die europäischen Minister nicht einmal eine Einigung über striktere Garantien für die Verwendung menschlicher Embryonen finden konnten.

 

Die Instrumentalisierung embryonaler Stammzellen zu Forschungszwecken, d.h. ihre Zerstörung oder die Forschung mit aus Embryonen hergestellten Stammzellen, ist inakzeptabel. Außerdem besteht für diese Forschung keinerlei Notwendigkeit, weil adulte Stammzellen und Stammzellen aus der Nabelschnur nach der Ansicht von Experten eine Alternative darstellen, die interessante und realistische Perspektiven für die Therapie bieten.

Das Sekretariat der COMECE stellt mit großer Bestürzung den Widerspruch zwischen dieser Entscheidung, die einen Eingriff in die Würde des Menschen zu Beginn seiner Existenz impliziert, und dem Ziel der Europäischen Union fest, therapeutische Lösungen zur Rettung von Menschenleben zu fördern. Diese Entscheidung steht außerdem im Widerspruch zur Grundrechtecharta, die in Artikel 1 feststellt: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie ist zu achten und zu schützen.“

 

Daher weisen wir die Öffentlichkeit mit Nachdruck auf die Tragweite dieser Entscheidung hin und unterstreichen erneut die fundamentale Bedeutung des sozioethischen und bioethischen Rahmens dieser Debatte für ein Europa von Morgen. Wir laden unsere europäischen Mitbürger und insbesondere die Katholiken dazu ein, sich den anthropologischen Zusammenhang dieser Debatte über die Menschenwürde bewusst zu machen. Wir rufen sie dazu auf, sich in den kommenden Monaten und im Vorfeld der zweiten Lesung im europäischen Parlament im Herbst dieses Jahres dafür einzusetzen, dass eine solche Debatte auf der Ebene der Europäischen Institutionen, in den Mitgliedstaaten und der Zivilgesellschaft stattfindet.

 

Bischof Adrianus VAN LUYN, Bischof von Rotterdam, Präsident

Mgr Noel TREANOR, Generalsekretär

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