Friday 5. March 2021
2008
COMECE Press 21/04/2008

 

Interkultureller Dialog:

Eine Antwort auf welche Probleme?

 

Das erste Seminar -aus einer Reihe von vier Veranstaltungen über den Islam, die Christenheit und Europa- war eine Podiumsdiskussion von islamischen und christlichen Experten am 17.4.08 im Europäischen Parlament (Brüssel). Diese tauschten sich über die ihrer Ansicht nach dringlichen und notwendigen Themen und Ziele für den interkulturellen Dialog in Europa aus.

 

Die europäische Union muss mehr sein als ein ökonomischer Raum“, betonte in seiner Einleitung Pfr. Rüdiger Noll, Moderator des Seminars und Direktor der Kommission Kirche und Gesellschaft der Konferenz Europäischer Kirchen. „Das europäische Projekt muss ein Projekt von Europäern und für Europäer sein, es muss ein Projekt sein, auf der Grundlage gemeinsam geteilter Werte. Darum ist das europäische Jahr des Interkulturellen Dialogs so wichtig“, fügte er hinzu. „Mit dieser Veranstaltungsreihe von Seminaren wünschen wir, die Kommission der Bischofskonferenzen der EU (COMECE), die Konrad Adenauer Stiftung (KAS) und die Kommission ‚ Kirche und Gesellschaft’ der KEK (Konferenz der europäischen Kirchen), einen Beitrag zum europäischen Jahr des Interkulturellen Dialogs zu leisten indem wir den Dialog und Werte wie die Menschenwürde, Toleranz und Freiheit für Religion und Glaube fördern.“

 

Prof. Dr Ural Manço, Religionssoziologe an der Universität Saint-Louis (Brüssel), bezog sich in seiner Präsentation auf die Muslime im Westeuropa, die im Laufe der letzten 50 Jahre nach Europa gekommen sind. Er besteht darauf, dass in unserem gegenwärtigen Kontext - das post-industrielle Zeitalter, in dem das Individuum in der Gesellschaft im Mittelpunkt steht- Menschen die Notwendigkeit fühlen, sich und ihre Identität fortwährend und in jeder Hinsicht zu bestätigen. Andernfalls haben sie nämlich das Gefühl nicht anerkannt zu sein. Auf diese Art und Weise ist für viele Migranten der Islam ein Weg, sich in der westlichen Gesellschaft selbst zu behaupten. Ihre religiöse Identität als Muslim zu bekräftigen ist eine Art der Selbstbestätigung und ein Weg, Anerkennung zu erhalten. All denjenigen, die das Gefühl haben, durch ihre Arbeit oder ihren Beruf keine Anerkennung zugewinnen, ermöglicht ihre religiöse Überzeugung die Bestätigung ihre Identität und daher auch Anerkennung.

 

Religionen haben ihre internen Hindernisse und Probleme, erklärte Imam Tareq Oubrou, Rektor der Al-Houda Moschee, Bordeaux, Frankreich. Er betont deswegen die Notwendigkeit Wege zu finden, die vermeiden sollen, dass der Dialog zwischen den Religionen den Dialog innerhalb einer Religion ersetzt. Durch letzteren sollte eine Religion sich gezielt ihren speziellen Problemen zuwenden. Imam Oubrou, der festhielt, dass er den orthodoxen Islam repräsentiere, sieht die Notwendigkeit für einen theologischen Dialog, und bezog sich dabei auf die vielen Passagen im Koran, die von Vielfalt und Toleranz sprechen. Diese orthodoxe Theologie einer Offenheit gegenüber der Vielfalt sei sehr wichtig und er bedauerte, dass Muslime noch nicht ihre theologischen Hausaufgaben gemacht hätten. Er ist auch der Ansicht, dass Christen den Muslimen viel über Säkularisierung und die Moderne lehren könnten und dass Muslime in dieser Hinsicht der Erfahrung der Christen vertrauen sollten.

 

Fr. Ignace Berten, Dominikaner und Gründer von „Espaces“ erklärte, dass Integration für Immigranten, die aus Nord Afrika und der Türkei kommen schwieriger ist, und zwar aufgrund einer immer größer werdenden kulturellen Lücke und der durch mangelnde Fähigkeiten hohen Arbeitslosigkeit. Ihm zufolge besteht die zweite und dritte Generation der Muslimen aus jungen Leuten, die unter Identitätskrisen leiden. Lösungen für dieses Problem der Integration können Bildung, soziale Unterstützung und das bessere Wissen über die Geschichte des jeweiligen anderen sein. In ähnlicher Weise stellte er fest, dass das Christentum durch das Einordnen seiner religiösen Texte in den geschichtlichen Kontext in der Lage ist, zwischen dem Glauben an sich und kulturell bedingten Fakten zu unterscheiden.

 

In der Zusammenfassung der Podiumsdiskussion hob Frau Ramona Nicole Mănescu, MEP (ADLE-RO) die Schwierigkeiten hervor, die sich aus der Begegnung und dem Aufbau eines wirklichen interkulturellen Dialogs ergeben. Sie beteuerte, dass bestehende Diskriminierungen der Muslime zu antiwestlichen Gefühlen führen können. Obwohl die Charta der Grundrechte der EU das Recht auf Religionsfreiheit garantiert, sollte mehr getan werden. Die zunehmende Islamophobie ist ein Hindernis für den Dialog.

 

Sie schlug vor, dass die europäischen Bürger den kulturellen Beitrag des Islam zur europäischen Kultur und Zivilisation entdecken sollten. Sie nannte des Weiteren auch die Notwendigkeit, Organisationen und Kirchen ganz in den Prozess für das Zustandekommen eines Dialogs einzubinden, ohne die lokale Ebene zu vergessen (Nachbarschaft, Stadtviertel, Einzelne). Frau Mănescu unterstrich die besondere Rolle der Frauen, die mit ihrer größeren Fähigkeit zur Empathie, sehr viel zu einem interkulturellen Dialog beitragen könnten. Schließlich betonte sie, dass sich das Konzept von offenen Grenzen nicht nur auf Ländergrenzen, sondern auch auf Grenzen zwischen Menschen und Kulturen beziehen sollte.

 

Als Teil ihres Beitrags zum europäischen Jahr des Interkulturellen Dialoges organisieren die Kommission der Bischofskonferenzen der EU (COMECE), die Konrad Adenauer Stiftung (KAS) und die Kommission Kirche und Gesellschaft der KEK (Konferenz der europäischen Kirchen) in Zusammenarbeit mit einigen muslimischen Vertretern eine Reihe von Seminaren, die unter dem Thema „Islam, Christenheit und Europa“ stehen.

Die Hauptidee dabei ist es, die Komplexität der Themen zu untersuchen, die den Islam, die Christenheit und Europa betreffen und dabei Stereotypen zu hinterfragen.

Jedes Seminar wird in der Form einer Podiumsdiskussion mit einem Moderator, einem akademischen Experten, einem muslimischen Sprecher, einem christlichen Sprecher und einem Mitglied des europäischen Parlaments, das für die Zusammenfassung verantwortlich ist, organisiert.

 

Die Seminare werden im Europäischen Parlament veranstaltet.

 

Das nächste Seminar wird am 29.5.08 von 15 bis 17 Uhr im Europäischen Parlament stattfinden.

Pressekontakt:

Alessandro Di Maio

Communications Officer E-mail Kontakt Tel.: +32 (0) 2 235 05 15
Contact us
19, Square de Meeûs
B-1050 Bruxelles
T + 32(0)2 235 05 10
Display:
http://www.comece.eu/