Friday 5. March 2021
2008
COMECE Press 04/07/2008

 

« Christliches Europa » und Islam in Europa

 

Wie empfängt das christliche Europa den Islam in Europa? Wie soll man auf die Angst einer „Islamisierung“ Europas antworten, und welche Aussichten gibt es, den Islam zu „europäisieren“? Fragen, die anlässlich der dritten Begegnung in einer Serie von seitens KEK, COMECE und der Konrad-Adenauer-Stiftung organisierten Dialogseminaren zum Islam, Christentum und Europa, zur Sprache gekommen sind, die am 3. Juli im Europäischen Parlament stattfand.

 

Nach Ansicht von Sara Silvestri, Professorin der Universität Cambridge und der City University London, hat der Islam eindeutig einen Beitrag zu Kultur und Wissenschaft in Europa geleistet; der Einfluss auf die politische und juristische Organisation der Gesellschaft sei jedoch im Gegensatz zum Christentum gering. In Europa seien die Muslime gegenwärtig vollwertige Staatsbürger. Silvestri zufolge müssen wir uns von der Idee trennen, dass Identitäten ein für alle Mal festgelegt werden und die Muslime demzufolge einen monolithischen Block bilden. Des Weiteren benannte sie gemeinsame Konzepte des Islams und des Christentums: die Sorge für das Wohlergehen jedes Menschen, die Heiligkeit des Lebens und das Engagement der Gläubigen in der öffentlichen Sphäre. Ob religiös oder nicht – Europäer hätten gemeinsame Werte und Anliegen wie etwa die soziale Gerechtigkeit. Es sei vielmehr der Verlust der Werte und der Spiritualität, der die Muslime in unseren säkularen Gesellschaften beunruhige. Der von der EU versprochene interkulturelle Dialog komme erst dann zu voller Sinnentfaltung, wenn er für das Gemeinwohl einer Bürgergemeinschaft dienstbar gemacht werde.

 

Der Repräsentant der muslimischen Gemeinschaft Serbiens, Scheich Abdullah Nu’man warnte vor falschen Interpretationen des Islam, die – ausgehend vom Koran – von verschiedenen fehleranfälligen kulturellen Traditionen überlagert werden. Aus theologischer wie demographischer Sicht sei die Furcht vor einer muslimischen Invasion und der Einführung der Scharia unbegründet. Der Scheich verurteilte überdies die Islamphobie als eine rassistische Entschuldigung, die bestimmten Menschen erlaube, Muslime zu hassen oder zu diskriminieren. Es gehe darum, „miteinander zu reden und sich zu lieben“. Muslime „lieben die Menschheit, da sie von Gott kommt und lieben Gott, da er uns geschaffen hat“, erinnerte er.

 

Metropolit Emmanuel aus Frankreich, Vertreter des ökumenischen Patriarchats bei der EU, äußerte die Auffassung, dass interreligiöse Herausforderungen einer multikulturellen Gesellschaft innewohnen und sich in allen Gesellschaftsbereichen (Arbeit, Schule) manifestieren. In Europa hätten viele Menschen eine unreflektierte, historisch bedingte Furcht vor dem Islam, welche durch eine stereotype und partielle Berichterstattung in den Medien sowie durch einen generellen Mangel an Wissen über den Islam gefördert werde. Der Islam sei in seinen Wurzeln europäisch und bleibe es, erinnerte Metropolit Emmanuel. Ihm zufolge „brauchen wir den Islam nicht zu europäisieren“, vielmehr sei eine veränderte Wahrnehmung der bestehenden Werte und Traditionen in ihrer Verschiedenheit notwendig.

 

Der Angst vor dem Islam müsse durch die europäischen Institutionen, die Kirchen und die Medien entgegengetreten werden. Ein neuer Ansatzpunkt hierzu könne in einer faireren Behandlung durch die Medien und der Unterrichtung aller Religionen in der Schule gefunden werden. Indem anstelle der Unterschiede die Gemeinsamkeiten der Religionen herausgestellt würden, könne man gemeinsame Prioritäten identifizieren und Europa eine Vision vorschlagen.

 

In ihrer Schlussfolgerung zur Debatte unterstrich die Europaabgeordnete Margarete Auken (Die Grünen – Dänemark) die Notwendigkeit zuzuhören, zu lernen und gewonnene Erfahrungen weiterzugeben, um Unverständnis zu überwinden. In diesem Kontext sei der in den Vertrag von Lissabon integrierte Dialog mit den Religionen „eine Verpflichtung und zugleich in Privileg“.

 

Das letzte Seminar findet statt am 11. September 2008 zum Thema Außenbeziehungen der EU mit den Muslimischen Ländern, und insbesondere „Gegenseitigkeit der Religionsfreiheit für die Muslime in Europa und für die Christen in islamischen Ländern.“

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Alessandro Di Maio

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