Wednesday 20. October 2021
2008
COMECE Press 14/11/2008

 

Die Krise der EU stellt die Werte der europäischen Gesellschaft auf die Probe

Herbstvollversammlung der COMECE

 

Die Finanzkrise offenbart eine tiefere geistige Krise und eine falsche Werteordnung. Der innere Sinn und Wert menschlicher Arbeit ist im allgemeinen Streben nach Gewinn in den Hintergrund getreten, haben die COMECE Bischöfe anlässlich ihrer Herbstvollversammlung bedauert. Dieses Treffen, welches vom 12. bis 14. am neuen Sitz der COMECE, Square de Meeûs 19 in Brüssel, stattfand, wurde auch vom Amtsantritt von Piotr Mazurkiewicz als neuem Generalsekretär geprägt.

 

Durch ihr Hauptthema „Die gegenwärtigen Herausforderungen für die Europäische Union“ bat die Vollversammlung den Mitgliedsbischöfen der COMECE die Gelegenheit, die dreifache Krise, mit der die EU seit einigen Monaten konfrontiert ist, zu analysieren: das Ergebnis des Referendums in Irland, welches den Vertrag von Lissabon und damit die institutionelle Reform der EU vorerst zum Erliegen gebracht hat; die geopolitische Krise mit dem Krieg zwischen Russland und Georgien und schließlich die Wirtschafts- und Finanzkrise.

 

Bischof Adrianus Van Luyn, Präsident der COMECE, rief dazu auf, die Breitenwirkung der Krisen nicht zu unterschätzen. „Wer die Ursache der Finanzkrise allein in einem Mangel an Transparenz und juristischer Zurechenbarkeit sieht, übersieht möglicherweise, dass vielmehr unser Gesellschaftsmodell selbst in Frage steht. Ein Wirtschaftsmodell, das auf dem fortgesetzten und unbegrenzten Konsum begrenzter Ressourcen beruht, führt in die Irre.“ Er vertrat die Ansicht, dass die tiefere Ursache der Finanzkrise in „einer falschen Werteordnung“ liege.

 

Die Finanzkrise bietet auch die Gelegenheit, schärfer den Lebensstil unserer wesentlichen Gesellschaft zu hinterfragen. In diesem Zusammenhang begrüßten die COMECE-Bischöfe den Beitrag „Eine christliche Sicht auf den Klimawandel“, der von einer Expertengruppe verfasst wurde, die sie im November 2007 eingesetzt hatten. Die Bischöfe nahmen die Schlussfolgerungen des Berichts zu Kenntnis: der Klimawandel zu einer Überlebensfrage für einen großen Teil der Menschheit geworden; politische Führungsstärke und – noch wichtiger – ethische Reflexion und Debatte werden benötigt, um nicht nur den Verstand, sondern auch das Herz der Bevölkerung zu erreichen, damit sie sich von der vorherrschenden Lebensweise distanziert, die zu stark auf Konsum und insbesondere auf einen unverhältnismäßigen Energiekonsum ausgerichtet ist.

 

„Maßhalten“ als zentrale Tugend sollte im Zentrum dieses neuen Lebensstils stehen. Die Christen werden aufgerufen, gegenüber ihren Mitbürgern deutlich zu machen, dass Maßhalten auch ein Synonym für Lebensqualität und Freude sein kann, weil es erlaubt, das Notwendige vom Überflüssigem zu unterscheiden. In der Schwierigkeit für Christen, über einen anderen Lebensstil als Schlüssel zu einem guten und letztlich glücklichen Leben zu sprechen, liegt auch eine Herausforderung für die Kirche.

 

Im diesem Sinne haben die Bischöfe auch dazu aufgerufen, den arbeitsfreien Sonntag als Eckpfeiler des Europäischen Sozialmodells und als ein Mittel, Familien- und Berufsleben besser miteinander zu vereinbaren, zu respektieren. In den letzten Jahren ist der arbeitsfreie Sonntag in der Gesetzgebung vieler EU-Mitgliedsstaaten durch liberale und von Konsumdenken geprägte politische Sichtweisen gefährdet worden. Im gegenwärtigen Kontext der Wirtschaftskrise rufen die COMECE-Bischöfe die Europaabgeordneten dazu auf, Verantwortung zu übernehmen und den Sonntagschutz in der Arbeitszeitrichtlinie zu verankern, über die Mitte Dezember im Europäischen Parlament abgestimmt werden soll.

 

In Bezug auf die Situation der irakischen Flüchtlinge rufen die Bischöfe die EU dazu auf, die wesentliche Rolle des Christentums in der Prägung der irakischen Geschichte und Tradition anzuerkennen. Die EU sollte im Rahmen ihrer Kontakte mit der irakischen Regierung stets die Situation der christlichen Gemeinschaft Iraks, die heute in ihrer Existenz bedroht ist, sowie die Situation anderer religiöser Minderheiten erwähnen. Die Bischöfe bedauern, dass die EU sich in ihren auswärtigen Beziehungen nicht entschlossen genug gegen Verletzungen der Religionsfreiheit einsetzt, unter der Minderheiten auf der ganzen Welt weiterhin leiden.

Die Bischöfe haben das COMECE Sekretariat beauftragt, eine Expertengruppe einzusetzen, um eine Reflexion zum Prinzip der Reziprozität in Bezug auf die Religionsfreiheit durchzuführen. Hierzu wird ihnen bei der nächsten Vollversammlung im März 2009 ein Bericht übermittelt.

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Alessandro Di Maio

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