Monday 6. December 2021
2009
COMECE Press 11/05/2009

 

Politik und Gesellschaft sollten ihr Wertesystem überdenken, um die Wirtschaftskrise zu überwinden

 

“Die derzeitige Wirtschafts- und Finanzkrise offenbart eine geistige Krise und eine falsche Hierarchie der Werte.” Dies ist die Analyse, die Bischof van Luyn, Präsident der COMECE, mit den Präsidenten der Europäischen Kommission und des Europäischen Parlaments anlässlich des jährlichen Treffens der Vertreter der monotheistischen Religionen mit den Spitzen der EU-Institutionen teilte.

 

Auf Einladung des Präsidenten der Europäischen Kommission, José Manuel Barroso, trafen sich rund zwanzig hohe Vertreter der christlichen, jüdischen und muslimischen Religion aus zwölf EU-Mitgliedsstaaten sowie aus Russland im Berlaymont in Brüssel, um die Wirtschafts- und Finanzkrise zu diskutieren und einen ethischen Beitrag zur europäischen und globalen Wirtschaftsorganisation zu leisten.

 

Bischof Adrianus Van Luyn betonte, dass der Mangel an Verantwortlichkeit, der zur Wirtschaftskrise führte, nicht allein Bankern und Aktienhändlern vorzuwerfen sei. Mitverantwortlich seien auch jene Vertreter der Politik, die in den vergangenen Jahren mehr versprochen hätten, als sie tatsächlich halten wollten. Ein Beispiel hierfür sei der mangelnde Einsatz für die Milleniums-Entwicklungsziele.

 

Der Erzbischof von München und Vizepräsident der COMECE Reinhard Marx wies auf die Gefahr eines Vertrauensverlustes in die freiheitliche marktwirtschaftliche Ordnung hin. Dieser betreffe besonders die Staaten Mittel- und Osteuropas, in denen diese Ordnung in den vergangenen 20 Jahren für viele Menschen mit großen Hoffnungen verbunden gewesen sei.

 

Der Erzbischof von Dublin Diarmuid Martin forderte einen angemessenen ethischen und rechtlichen Rahmen, für ein effektives Funktionieren der Wirtschaft und die Verwirklichung ihrer gesellschaftlichen Aufgabe. Das Augenmerk auf die Schwächsten der Gesellschaft zu legen, sei eine wesentliche Bedingung für neuerliches Wachstum. Der Bischof warnte davor, dass “ohne eine zielgerichtete Politik zur Förderung der Talente der Schwächeren, die Marginalisierten am Ende der Rezession noch stärker an den Rand gedrängt sein werden und die Gesellschaft umso brüchiger sein wird.”

 

Kardinal Miloslav Vlk, Erzbischof von Prag, rief zu einer verantwortlichen Erziehung zum Gemeinwohl auf allen Ebenen – in der Finanzwirtschaft, in den Familien, Unternehmen, in der öffentlichen Verwaltung und der Zivilgesellschaft – auf. Die Erziehung zur Verantwortung solle auf die soliden Prinzipien der katholischen Soziallehre gegründet werden: die Universalität des Gemeinwohls, die allgemeine Bestimmung der Güter und der Vorrang der Arbeit gegenüber dem Kapital.

 

Der Präsident der Europäischen Kommission Barroso und der Präsident des Europäischen Parlaments Pöttering begrüßten das Treffen und den reichen Gedankenaustausch. Sie riefen in Erinnerung, dass die Europäische Union nicht auf einem kapitalistischen Modell mit materialistischer Basis aufgebaut sei, sondern vielmehr auf dem Modell der sozialen Marktwirtschaft gründe, das den Menschen in den Mittelpunkt stelle. Außerdem betonten sie die vitale Bedeutung des Dialogs der EU mit den Religionen, der in den vergangenen fünf Jahren vom persönlichen Goodwill der EU-Obersten abhängig gewesen sei, jedoch mit Inkrafttreten des Lissabonner Vertrags und seines Artikels 17 rechtlich bindend werde.



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