Tuesday 22. October 2019
2013

 

EU-Bürgerschaft: wir brauchen ein Zugehörigkeitsgefühl zu einer Gemeinschaft

 

 

Die EU-Bürgerschaft ist ein zentraler Bestandteil unserer europäischen Identität und verspricht, einen wichtigen Platz in den Debatten vor den Europawahlen 2014 einzunehmen. Im Kontext des Europäischen Jahrs der Bürger 2013, bat die Europäische Kommission die Kirchen um ihre Meinung zu diesem Thema im Rahmen eines Dialogseminars, das am 20. Juni stattfand.

 


 

 

Frau Chiara Adamo ( GD Justiz) präsentierte das Konzept der Europäischen Unionsbürgerschaft sowie den EU Bürgerschaftsbericht 2013 aus der Sicht der Europäischen Kommission. Anschlieβend sprach Frau Sophie Beernaerts (GD Kommunikation) über das Programm „Europa für Bürger“.

 

Warum ist die Unionsbürgerschaft so unbeliebt?“ fragte sich der Bischof der COMECE für England und Wales, W. Kenney. In seiner Ansprache betonte er das Scheitern von drei Grundprinzipien christlicher Sozialphilosophie auf mehreren politischen Ebenen. Die Solidarität: nationale Politiker kürzen soziale Leistungen ohne jede Erklärung. Die Subsidiarität: wenn Entscheidungen auf einer Ebene getroffen werden, die den Menschen unangemessen erscheint, verlieren sie die Entscheidungskontrolle auf dieser Ebene. Schlieβlich: die menschliche Würde: wir haben den Sinn dafür verloren, dass alle Menschen die gleiche Würde haben und unsere Brüder und Schwestern sind, ob es sich nun um arme Mitbürger oder Migranten handelt.

 

Welches sind nun die Merkmale von Bürgerschaft aus christlicher Sicht?

 

Es beginnt mit einem Sinn für Erinnerung und Verbundenheit mit seinen Wurzeln. Der orthodoxe Erzbischof Jeremiasz von Wroclaw und Stettin hob die Bedeutung der Heimat hervor, nicht nur im Sinne einer engen Beziehung oder eines geographischen Ortes, sondern in einer tiefen geistigen Dimension. In der orthodoxen Theologie bedeutet dies Verantwortung für die Divination (theosis). In diesem Sinne befähigt die enge Beziehung zu einem besonderen Ort auf dieser Erde die Menschen dazu, verantwortliche Bürger in der Gemeinschaft der Nationen zu sein.

 

Der protestantische Vertreter, Dr. Peter Schreiner, Präsident der InterEuropean Commission on Church and School sagte: „ Der Dialog ist ein Wert in sich selbst, der der Fortführung bedarf. Es ist erstebenswert Meinungen auszutauschen, aber es ist nicht notwendig, in allen Punkten übereinzustimmen. Auch ist ein Perspektivenwechsel von „wir zuerst“ zu „wir zusammen“ notwendig, um zum Wohle aller Menschen in Europa gemeinsame Aktivitäten weiterzuführen, unter anderem die Bildung.“

 

Bürgerschaft scheint drei Dimensionen zu haben: Zugehörigkeit, Sein, Werden. Der Begriff des Werdens bezieht sich auf eine Schicksalsgemeinschaft. Europäer gehören zu einer jungen politischen Struktur, die sich stetig weiterentwickelt. „Wir Christen sind die Architekten, Schützen und Ingenieure eines ehrgeizigen Projekts, das noch vollendet werden muss“, faβte Pater Patrick Daly, Generalsekretär der COMECE, zusammen.

 

Alle diese Merkmale müssen durch zwei Elemente verbunden werden: den Sinn für Vernunft, da wir alle verbunden sind (nicht nur gefühlsmäβig) und die gegenseitige Hingabe. Unsere europäische Bürgerschaft entsteht aus dieser Realität. Sie ist jedoch auch im Gefühl und der Nächstenliebe begründet.

Trotzdem fühlen sich viele Männer und Frauen, die zu den Schwächeren der Gesellschaft gehören (die Armen, die Alten, die Behinderten und die Gefangenen) von dieser Bürgerschaft ausgeschlossen, und die Aktionsprogramme der EU erreichen sie nicht. Kirchen und ihre Organisationen sind Schlüsselspieler in diesem Bereich, da sie solche Menschengruppen zusammenbringen und es ihnen ermöglichen, ihren Nöten und Bedürfnissen Ausdruck zu verleihen. (Zum Beispiel führt die Caritas Europa in mehreren Mitgliedstaaten sozial schwache Menschen in Schwerpunktgruppen zusammen). Dies vermittelt den Menschen das Gefühl der vollständigen Anerkennung ihrer Würde als Europäische Bürger.

 

Aber die Unionsbürgerschaft ersetzt die nationale Bürgerschaft nicht: sie ist komplementär. Es bestehen weiterhin viele Schwierigkeiten zwischen den Mitgliedstaaten was die Anerkennung des Wahlrechts von Unionsbürgern, die in einem anderen Land leben, betrifft. In der Tat scheint es, als ob viele nationale Regierungen zögerten, ein Gefühl der Zugehörigkeit zur Europäischen Gemeinschaft zu fördern: zum Beispiel der Widerstand einiger Regierungen gegen den Hinweis auf EU Symbole (Europäische Flagge und Hymne) im Vertrag von Lissabon, oder gegen der Erwähnung des Wortes „Zugehörigkeit“ im Programm der EU Kommission „Europa für Bürger“.

 

Im Hinblick auf die baldigen EU-Wahlen sind die Vertreter der Kirchen davon überzeugt, dass die EU-Bürger sich an den Wahlen beteiligen werden, wenn man ihnen einen Inhalt bietet, an den sie glauben und in dem sie sich wiedererkennen können. Dies führt zur entscheidenden Frage des Willens der Bürger im Blick auf die weitere Entwicklung und die Zukunft des europäischen Projekts.

 

KONTAKT: Johanna Touzel, Pressesprecherin der COMECE

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Die COMECE ist die Kommission der Bischofskonferenzen in der Europäischen Union. Sie setzt sich aus den delegierten Bischöfen der 26 katholischen Bischofskonferenzen zusammen, die alle EU-Mitgliedsstaaten repräsentieren. Seit nun mehr 30 Jahren begleitet die COMECE den Prozess der Europäischen Integration, indem sie die Rechtsgebung auf europäischer Ebene reflektiert. Die COMECE ist nach Artikel 17 (3) des Vertrags über die Arbeitsweise der EU Dialogpartner der EU-Institutionen.

 

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