Friday 20. September 2019
2014
COMECE Press 25/11/2014

„Eine Botschaft der Hoffnung und der Ermutigung“

 

Aus Anlass des Besuchs von Papst Franziskus im Europäischen Parlament erklärt der Präsident der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Union (ComECE), Reinhard Kardinal Marx:

 

Der heutige Besuch im Europaparlament war die erste Begegnung des Papstes mit Europa als Ganzem. Mit seiner Rede vor dem Europaparlament hat Papst Franziskus die Bedeutung und die Notwendigkeit der Europäischen Integration herausgehoben. Schon die Tatsache, dass er zuerst das Europäische Parlament besucht, bevor er in einen der Mitgliedstaaten der Europäischen Union reist, zeigt die Wertschätzung, die der Papst der Europäischen Union entgegenbringt. Seine Rede war „eine Botschaft der Hoffnung und der Ermutigung“ – nicht nur für die Abgeordneten des Europäischen Parlaments, sondern für alle europäischen Bürger.

 

Kern dieser Ermutigung des Papstes ist die Aufforderung an Europa, nicht nostalgisch, müde oder selbstzufrieden auf eine große Vergangenheit zurückzublicken, sondern mutig in die Zukunft zu denken und sie zu gestalten. Nicht defensiv in Selbsterhaltung zu verharren, sondern neue und kraftvolle Ideen für die Welt entwickeln. Man könnte die Rede des Papstes geradezu als eine kleine Sozialenzyklika für Europa nennen.

 

Ihre zentrale Botschaft war, dass der Mensch im Mittelpunkt der politischen Einigung Europas steht: „und zwar weniger als Bürger und auch nicht als wirtschaftliches Subjekt, sondern […] als eine mit transzendentaler Würde begabte Person“. Die zentrale Position der Person in der europäischen Einigung stellt das Recht und die Werte in den Mittelpunkt, nicht die Wirtschaft. Vor diesem Hintergrund hat der Papst die Abgeordneten aufgefordert, „gemeinsam das Europa aufzubauen, das sich nicht um die Wirtschaft dreht, sondern um die Heiligkeit der menschlichen Person, der unveräußerlichen Werte“.

 

Auf der Grundlage dieser Überlegungen hat Papst Franziskus aber auch wertvolle Impulse für die konkreten politischen Herausforderungen der EU gegeben. Er hat dies in beeindruckend positiver Weise mit dem Bild der Begabungen Europas zum Ausdruck gebracht, die es zu fördern gilt. Dabei nennt er die Familie als Grundlage und Garant für Zukunftshoffnung sowie Bildung und Wissenschaft, die dem Wachstumsprozess des Menschen in Ganzheit fördern sollen. In besonderem Maße lobt der Papst die EU für ihr ökologisches Engagement und erinnert daran, dass wir die Erde nicht besitzen, sondern nur hüten. Damit mahnt er die europäische Politik im Vorfeld komplizierter internationaler Verhandlungen, trotz aller Schwierigkeiten dieses ökologische Engagement auch weiterzuführen.

 

Einen großen Stellenwert misst der Papst der Arbeit bei. Mehrfach betont er in seiner Ansprache, dass dem Menschen aus der Arbeit Würde erwächst. Dazu bedarf es aber nicht nur der Arbeitsplätze, sondern auch guter Arbeitsbedingungen. In diesem Sinne unterstreicht der Papst zwar die erforderliche Flexibilität, aber auch die Notwendigkeit von stabilen Perspektiven. Besonders wichtig ist es, dass der Papst nach seinem Besuch in Lampedusa erneut den Finger in die Wunde der Europäischen Migrationspolitik legt. Er bleibt nicht bei der Warnung stehen, dass das Mittelmeer nicht zu einem großen Friedhof werden darf, sondern ermahnt die Europäer zu konkreten politischen Schritten der Solidarität und zur Beseitigung der Ursachen der Migration.

 

Besonders freue ich mich, dass der Papst den Beitrag herausgestrichen hat, den die ComECE in der EU geleistet hat und leisten will. Ebenso hat er den Dialog zwischen der Europäischen Union und den Religionsgemeinschaften gewürdigt, der durch den Vertrag von Lissabon ins Primärrecht der Union übernommen worden ist und in dessen Rahmen die Kirche den Austausch mit der Union führt. Diesen Weg des Dialogs mit der EU wollen wir Bischöfe der ComECE, ermutigt durch die heutige Rede des Papstes, auch in Zukunft weitergehen. Für seine Botschaft der Hoffnung und Ermutigung an alle Europäer bin ich dem Papst sehr dankbar. Schließlich hat der Papst deutlich gemacht, dass Europa „ein kostbarer Bezugspunkt für die gesamte Menschheit“ sein soll.

 

 

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Alessandro Di Maio

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